Ich habe mit meinem Ben, einem damals zweijährigen Mischling aus Bulgarien, im Vorfeld einiges ausprobiert. Vor allem versuchte ich, ihn davon zu überzeugen, doch bitte nicht wegzulaufen. Das habe ich unter anderem mit wilden Choreographien unterwegs versucht. Das führte dazu, dass mein Ben SOFORT also wirklich SOFORT abgehauen ist, sobald die Leine ab war. Mal mit Auslöser, mal ohne. Egal, ob Eichhörnchen, Blatt, Vogel, Windstoss oder gar nichts. 

 

Also blieb die Leine dran, auch beim Ausreiten. Dann der für mich schlimmste Moment: Ich sitze auf unserem Vollblüter, Ben an der Leine, eine freilaufende Bernhardinerhündin (ohne Aufsicht, Hofhund) kommt auf uns zu und packt sich meinen 18 kg Zwerg. Nicht nur, dass ich hätte tot sein können beim Sturz vom Pferd, hätten auch die Hunde überfahren werden können und wenn das Pferd auf die Straße gelaufen wäre, ist der Schaden nicht mehr auszudenken. 

 

Dazu kam, dass Ben mir tagtäglich zeigte, wie genervt er von mir war, keine Lust hatte, wirklich mit mir zusammen sein zu wollen, neben dem ständigen Abhauen auch noch völlig ausrastete, wenn uns andere Hunde begegneten. Kein schönes Gefühl! Meine damalige Ohnmacht ist unbeschreiblich.

 

Meine ehemalige Trainerin meinte nur: "DAS wird wohl nie klappen, der Ben hat halt Jagdtrieb!"

 

Ulv Philipper nahm mir als erstes die Angst vor dem "Jagdtrieb". Klar hat der Hund Jagdtrieb, aber das heißt ja nicht, dass er ständig ausreissen muss. Vor allem wenn man bedenkt, dass Jagen eigentlich aus langem Warten besteht, um im richtigen Moment effizient und erfolgreich zuschlagen zu können. 

 

Schritt für Schritt veränderte sich mein Verhältnis zu Ben. Die an die Hand gegebenen Inhalte bezogen sich auf meine Familie und mich. Da meine Eltern mich teilweise unterstützen müssen, weil ich beruflich viel unterwegs bin, benötigten wir etwas mehr Zeit. "Oma und Opa" sahen Ben noch länger im kindlichen Modus als ich. Aber wir haben uns gemeinsam entwickelt.

 

Je mehr wir Ben als vollwertiges Familienmitglied mit ähnlichen Bedürfnissen wie den unsrigen wahrgenommen haben, desto näher rückte er an uns und besonders an mich heran. Er freut sich wieder, mich zu sehen. Unternimmt gerne Dinge mit mir gemeinsam. Kuschelt mit mir. Wir können tatsächlich ohne Leine gemeinsam unterwegs sein und es gab auch schon die ersten gemeinsamen Ausritte mit dem Pferd.

 

Die Hintergründe zu erklären, empfinde ich als nicht so einfach. Da ich mich auf den internen Seminaren bei Philippers mit anderen Teilnehmern ausgetauscht habe, kann ich es nur so zusammenfassen: Ich denke, jeder der mit Ulv Philipper arbeitet, wird an einer anderen Stelle abgeholt.

 

Und zwar genau da, wo er gedanklich und auch emotional steht. Was für den einen gilt, gilt für den anderen noch lange nicht. So geht jeder seinen eigenen Weg.

 

Claudia und Ben, Bad Neuenahr-Ahrweiler